RECAP: PANDA WOMEN LEADERSHIP CONTEST 2016

Jetzt ist über eine Woche vergangen und ich konnte den Panda Women Leadership Contest richtig auf mich wirken lassen. Vorweg kann ich sagen: es ist definitiv eine hervorragende Erfahrung, sich auszutesten, Frauen mit den verschiedensten Hintergründen, aus unterschiedlichsten Branchen mit Führungserfahrung kennenzulernen und, wer möchte, auf potentielle, neue Arbeitgeber zu treffen.

Los geht’s

Am Samstag, dem 2.7.2016 um 8:30 Uhr habe ich die „Factory“ Location in Berlin betreten und wusste: jetzt geht’s los.

Factory Berlin - Panda Location 2016

Alles war groß, chic, super cool und professionell. Kein Wunder, hier ist der Unternehmenssitz unter anderem von Twitter und Soundcloud. An diesem Tag bekam ich die Möglichkeit, auf weitere 199 Frauen zu treffen, die es geschafft haben, sich gegen mehr als 500 Bewerberinnen durchzusetzen und am Panda Contest teilzunehmen.

Ich war sehr nervös. Für mich ist es immer wieder eine Herausforderung, in einen Raum mit vielen neuen Menschen zu kommen, die sich fast alle angeregt unterhalten. Es hieß: durchatmen.

 

Die Einführung – Keynote

Keynote Panda Contest 2016

Der Tag begann mit einer herzlichen Einführung vom Gründerteam Isabell und Stuart. Leider habe ich beide nicht persönlich kennenlernen können. Die Leidenschaft, mit der sie die Projekte „Panda“ und die Karrieremesse „Stick and Stones“ angehen, hat mich sehr beeindruckt und ich freue mich, dass ich mich für die Teilnahme an diesem Event entschieden habe, das von diesen beiden Menschen ins Leben gerufen wurde.

Die Keynote wurde von Martiene Raven gehalten – u.a. Gründerin von „Rabenmütter.com – a trendguide on fashion with a conscience“. Ich fand es gut, dass eine Frau für die Keynote gewählt wurde, die sehr straight ihren Weg geht und Familie und Unternehmen erfolgreich unter einen Hut bringt.

Das besondere an der Keynote war, dass nicht alles 100% gradlinig verlief. Martiene Raven war aufgeregt, sie nahm Notizzettel mit auf die Bühne, sodass sie Mikro und Beamer-Fernbedienung nicht mehr gleichzeitig halten konnte. Dadurch kam sie manchmal durcheinander und hat den roten Faden verloren.

Das hat sie jedoch nicht weniger sympathisch gemacht. Sie hatte den Mut, sich auf die Bühne zu stellen und sich einer großen Gruppe Frauen zu öffnen!

Martiene Raven hat uns gezeigt, dass nicht immer alles perfekt verlaufen muss und es trotzdem oder gerade deswegen auch sehr gut sein kann. Wir alle haben oft Angst, einen Fehler vor Publikum zu machen und aus diesem Grund setzen wir nie einen Schritt auf die Bühne, obwohl wir sehr viel zu sagen haben. Auch wenn das noch ein langer Weg ist: ich würde mich freuen, wenn wir Frauen bereit sind, uns gegenseitig mehr zu unterstützen und nicht jeden Fehler als peinlich abzuwerten und zu kritisieren. Nur so können wir langfristig etwas verändern.

 

Der Contest & die Bewertung

Im Vorfeld hatte ich mir gar nicht so viele Gedanken über den „Contest an sich“ gemacht. Jetzt stand ich mitten in einem Wettbewerb, indem ich mich innerhalb von sehr kurzer Zeit völlig freiwillig von fremden Menschen bewerten lasse musste. Eigentlich hätte ich mir auch denken können, dass mich das extrem stresst.

 

Ablauf und Inhalte des Panda Contests

Es gab drei Szenarien-Runden, immer wieder in unterschiedlicher Teamkonstellation, mit 8 bis 10 Teammitgliedern. Jede Runde dauerte ca. 1 bis 1,5h und beinhaltete auch eine Feedbacksession. Zwischen den Runden gab es immer wieder Pausen zum Networking. Die Szenarien waren alle sehr unterschiedlich und ich möchte aufgrund weiterer Panda Events keine Inhalte verraten. Jede zukünftige Teilnehmerin sollte sich jedoch darauf einstellen, in einem Projektteam zu sein, das zum Beispiel eine bestimmte Position im Unternehmen oder gegen andere Teams vertreten muss. Dabei kann es Indoor- oder Outdoor-Aufgaben geben.

Panda Contest - Szenario - Outdoor

Fotoursprung: Panda Contest Facebook-Seite

Das Bewertungssystem

Der Contest ist darauf ausgelegt, sich innerhalb der Gruppen selbst zu bewerten und seinen Top3 Favoritinnen Punkte zu geben. Zusätzlich waren immer 1-3 Beobachter aus verschiedenen Unternehmen vor Ort, die die Leistungen der Teilnehmerinnen einschätzten. Extra-Punkte gab es für „besondere Aufgaben“, die übernommen werden konnten (Teamsprecherin) usw. Für mich war das Bewertungssystem teilweise ein wenig undurchsichtig und verwirrend. Ich hätte mir auch mehr Zeit gewünscht, meine Bewertung abzugeben.

 

Was ist mir bei den Contest-Szenarien an sich aufgefallen?

Die Contest-Situation ist einzigartig. Innerhalb von Bruchteilen von Sekunden nimmt man eine Position in der Gruppe ein. Es gab kaum eine Sekunde zum Durchatmen und leider wenig Zeit zum Erledigen der Aufgaben – teilweise konnte man sich noch nicht mal richtig gegenseitig vorstellen, um ein Gefühl für die Gruppe zu bekommen. Mir fiel es häufig schwer, Fragen / Aufgaben nicht ganzheitlich beleuchten und diskutieren zu können. Es mussten häufig sofort Entscheidungen getroffen und Maßnahmen ausgelotet werden.

Diese Problematik kenne ich auch sehr gut aus der Arbeitswelt. Oft bekommen wir Führungskräfte Vorgaben in Form von KPIs o.ä. aus der Managementebene über uns (oder von Kunden) und geben diese (und den damit verbundenen Druck) an unser Team weiter. Deadlines sind häufig so eng gesteckt, dass es kaum Zeit zum Überlegen gibt, ob die vergebenen Zahlen oder Maßnahmen wirklich zielführend sind. Ich denke, wir sollten vor dem sofortigen Erledigen von Anweisungen einen Schritt zurücktreten, mehr in Frage stellen und uns wirklich überlegen, ob unser nächster Arbeitsschritt sinnvoll ist. Was kann uns passieren, wenn wir auf unseren Instinkt vertrauen, wieder anfangen, selbst zu denken und Verantwortung übernehmen? Wir könnten neue, bessere Lösungsansätze hervorbringen und Strukturen aufbrechen.

Ein weiteres wichtiges Thema, das sich auch häufig im Job wiederfindet, ist das Thema: „meinen Raum einnehmen“. Wenn ich Verantwortung übernehme, etwas in Frage stellen und verändern will, muss ich bereit sein meinen Raum einzunehmen und präsent zu sein. Kann ich das überhaupt? Innerhalb der Diskussionen mit meinen Teams in den einzelnen Panda-Szenarien kamen mir folgende Fragestellungen in den Kopf:

  • Wie viel Raum nehme ich ein?
  • Will ich im Mittelpunkt stehen?
  • Wie reagiere ich, wenn mich andere überbrettern?
  • Merke ich, wenn ich andere nicht zu Wort kommen lasse?
  • Welche Position nehme ich in den unterschiedlichen Konstellationen ein und wie verhalte ich mich dann?
  • Wie gehe ich mit Kritik um? Sage ich dann nichts mehr, ziehe mich raus oder werde ich evtl. unfreundlich und hart?
  • Halten wir Frauen uns gegenseitig klein?

Es war unheimlich interessant mich in den einzelnen Teamkonstellationen zu beobachten. Als Geschäftsführerin von MADD muss ich vorangehen, Entscheidungen treffen und Anweisungen geben. Bei Panda hatte ich die Möglichkeit ausprobieren, wie es sich anfühlt, mich auf verschiedene Positionen in Teams einzulassen.

 

Die Feedbackrunden

Ein sehr wichtiger Bestandteil des Contests waren die Feedbackrunden. Jede Frau konnte ihren Mitstreiterinnen nach dem Szenario für 2-3 Minuten Feedback geben. Für mich einer der interessantesten und wichtigsten Punkte im gesamten Contest. Als Führungsperson gebe ich ununterbrochen Feedback an meine Mitarbeiter. Wenn ich selbst nicht in der Lage bin, mit Feedback konstruktiv umzugehen, werde ich auch meine Mitarbeiter nicht gut spiegeln können. Es hat mich sehr interessiert, wie die Executives und Young Talents Feedback geben und damit umgehen.

Wie habe ich die Feedbackrunden beim Contest erlebt?

Für mich war es sehr schwierig, jemanden nach einer gestellten Situation und innerhalb kürzester Zeit konstruktiv zu beurteilen. Einige Panda-Teilnehmerinnen hatten in den Szenarien kaum Gelegenheit, wirklich zu Wort zu kommen. Daher war ein oft gesagter Satz: „Ich hätte mir gewünscht, mehr von Dir zu hören“.

Das Feedback, das ich bekommen habe, war sehr unterschiedlich. Einige Rückmeldungen waren sehr wertvoll und andere nach meinem Gefühl nicht 100% ehrlich. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass meine „Feedback-Partnerinnen“ sich nicht getraut haben, mir ihre Meinung zu sagen.

Ich habe immer versucht zu sagen was ich denke. Dabei war es nicht immer einfach, es auszuhalten, wenn das Gegenüber nach meinem Feedback nicht vor Freude in die Luft springt. Es fiel mir sehr schwer, aus Angst vor der Reaktion, das Gesagte nicht gleich wieder zu zerreden oder zu beschwichtigen. Dabei ist es extrem wichtig, dass wir als Führungskräfte hier standhaft sind. Nur so können wir gemeinsam die nächsten Schritte gehen und die Situation nachhaltig verbessern. Das gilt auch für das Annehmen des Feedbacks. Wenn ich einen Punkt im Feedback nicht verstanden oder die Situation anders als die Feedbackgeberin wahrgenommen habe, habe ich es mir noch mal nachgefragt und mir alles genau erklären lassen. So bin ich mit meinen Feedback-Partnerinnen in einen sehr guten Austausch gekommen. Ich denke sowieso, dass „Austausch“ ein besseres Wort ist als „Feedback“. Es geht doch um das voneinander lernen.

 

Mein Vorschlag für eine andere Form von Feedback:

Ich denke, dass es sinnvoll ist, wenn sich die Teilnehmerinnen zwei bis drei Minuten selbst reflektieren und dann das Gesagte vom Gegenüber gespiegelt zu bekommen. So ist es möglich auf einem – meiner Meinung nach – ehrlicheren Weg mehr über sich zu erfahren. Das könnte dann auch in der Gruppe durchgeführt werden.

 

Die Gewinnerinnen

Gewinnerinnen Panda Contest 2016

Einige Teilnehmerinnen aus den Top10 Young Talents und Executives und eine Gewinnerin waren in meinen Teams. Diese Frauen haben:

  • Im richtigen Moment mit Leidenschaft überzeugt
  • Schnelle, überlegte Entscheidungen getroffen
  • Konkrete Ansagen gemacht
  • Ihre Meinung mit Charisma vertreten, ohne überheblich zu wirken.

 

Mein persönliches Fazit

Ich fühle mich nach dem Panda Contest Tag reich beschenkt. Ich bekam die Möglichkeit, etwas von mir zeigen, meine Stärken, Schwächen, Außenwirkung und unbewussten Verhaltensweisen von einer mir unbekannten Gruppe Frauen gespiegelt zu bekommen. Ich konnte mich in Situationen kennenlernen, in die ich mich unter normalen Umständen nicht begeben würde. Jetzt habe ich die Möglichkeit, diese Erfahrungen zu reflektieren und in meiner Entwicklung einen Schritt weiterzugehen.

Ein weiterer wichtiger Pluspunkt für diese Veranstaltung ist die Diversität der Frauen. Ich konnte Einblicke in die unterschiedlichsten Arbeitsplätze und Problematiken von Frauen in Führungspositionen gewinnen, mit denen ich sonst selten in Kontakt komme. Es wurde sichtbar, dass es viel Mentoring, Coaching und auch Ernsthaftigkeit braucht, um Frauen in Führungspositionen zu unterstützen. Ein Contest wie Panda wird langfristig die Arbeitswelt verändern. Davon bin ich überzeugt.

Vielen Dank an das Panda Team für diesen aufregenden Tag!

P.S.: Ich fand es großartig, dass das gesamte Catering vegetarisch war. Schon hierfür einen riesigen Applaus!